Investierende Mitglieder – Chance zur Eigenfinanzierung von Genossenschaften

Investierende Mitglieder – Chance zur Eigenfinanzierung von Genossenschaften

Das Genossenschaftsgesetz bietet seit dem Jahr 2006 nach § 8 die Möglichkeit sogenannte investierende Mitglieder aufzunehmen. Diese investierenden Mitglieder sollten stimmrechtlich hinter den förderfähigen Mitgliedern stehen aber voll an der Dividende partizipieren. Zudem ist es heute schon möglich freiwillige Zusatzanteile von förderfähigen Mitgliedern als zusätzliche Geschäftsanteile anzunehmen – eine nicht weit verbreitete Eigenfinanzierung.

Probleme mit Eigenfinanzierung?

Die Raiffeisen-Erzeugergenossenschaft Bergisch-Land und Mark eG berichtet im Geschäftsbericht des Jahres 2011 von Problemen mit den bis dahin begebenen Orderschuldverschreibungen sowie den Kundengeldern, welche in Form von Darlehen hereingenommen wurden. Im Lagebericht liest man:

„In den sonstigen Verbindlichkeiten sind derzeit Kundendarlehen vorhanden, die durch eine Kautionsversicherung voll abgesichert sind. Die Gesamthöhe belief sich zum 31.12.2011 auf 7,5 Mio. EURO. Die Genossenschaft hat zum Jahresschluss Orderschuldverschreibungen in Höhe von TEUR 913,2 im Umlauf. Im Laufe des Jahres 2011 hat die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungen (BaFin) die Sichtweise bezüglich Orderschuldverschreibungen geändert. Wenn weiter Orderschuldverschreibungen ausgegeben werden sollen, dann ist hierfür ein Verkaufsprospekt erforderlich. Der Vorstand hat sich gegen ein Verkaufsprospekt ausgesprochen und aufgrund dieser Tatsache werden seit Herbst 2011 keine neuen Orderschuldverschreibungen mehr hereingenommen bzw. verlängert. Es wurden Verhandlungen mit der R+V Versicherung aufgenommen, dass künftig sämtliche Kunden- oder Mitgliedergelder, bis zu einer Gesamthöhe von 10 Mio. EURO, durch eine Kautionsversicherung abgesichert werden.“

Kautionsversicherungen sind nicht unentgeltlich, daher entstehen der Genossenschaft hier zusätzliche Kosten Zudem wurde eine Bürgschaft der Hausbank in Höhe von 30% benötigt, welche weitere Kosten verursachen wird. Die Zinsaufwendungen der Genossenschaft belaufen sich laut Jahresabschluß 2011 auf 428.527€.

Ausweitung der Eigenkapitalbasis

Den Genossenschaften steht das Instrument der Aufnahme von Mitgliedern sowie die Zeichnung weiterer freiwilliger Anteile durch bestehende Mitglieder zur Verfügung. Warum wird hiervon aber nicht rege Gebrauch gemacht? Viele Gründe sprechen für dieses Instrument, zum Beispiel:

  1. Höhere Eigenkapitalbasis erleichtert Zugang zu Fremdkapital durch Banken
  2. Ggf. geringerer Zinsaufwand bei Bankdarlehen
  3. Ggf. geringere Sicherheiten (Grundschulden)
  4. Dividendenausschüttung statt Zinsaufwand verbessert Rating
  5. Breitere Mitgliederbasis als Zugang zu neuen Kunden

Insbesondere die genossenschaftlichen Prüfungsverbände sollten doch diese Innenfinanzierung deutlich anmahnen, bzw. in Seminaren und Workshops den Vorständen von Genossenschaften die Eigenkapitalfinanzierung näherbringen.

Neue Mitglieder als Marktzugang

Betrachten wir uns erneut die Raiffeisen-Erzeugergenossenschaft Bergisch-Land und Mark eG, welche als Raiffeisenmarkt eine breite Produktpalette anbietet. Der Umsatz im Jahr 2011 lag bei stolzen 68 Millionen € bei einer Rohmarge von 11,5 Millionen € – also über 16%. Man liest aber von Konzentrationen in der Landwirtschaft und damit einer Verringerung der Kundenbasis und damit des Umsatzausblicks der kommenden Jahre.

Neue Kunden könnte man auch durch neue Mitglieder gewinnen. Stellen wir uns vor, man würde es Privatkunden der Region ermöglichen mit 500€ Mitglied zu werden und so auch eine Dividende zu erhalten. Neben der Dividende könnte man aber auch Naturalrabatte in Form von speziellen Mitgliederangeboten der Geschäftsbereiche Baumarkt, Obs und Gemüse, Tankstellen, Energie (Heizöl) und Baustoffe (Hausbau) erhalten. Jedes Mitglied wird demnach auch den Umsatz der Genossenschaft steigern und so zu einem besseren Unternehmensergebnis beitragen.

Fazit

Die Nutzung der eigenen Mitglieder zur Unternehmensfinanzierung wird von Genossenschaften noch viel zu zögerlich forciert. Am Beispiel der Raiffeisen-Erzeugergenossenschaft Bergisch-Land und Mark eG wird deutlich, dass großvolumige Schuldverschreibungen vermehrt von der BaFin (Bundesaufsicht für Finanzwesen) kontrolliert werden. Die Aufnahme weiterer Mitglieder (investierende und förderfähige) ist dagegen sehr einfach und gesetzlich geregelt möglich. Die Prüfungsverbände der Genossenschaften sollten dieses Thema aufgreifen und damit den Genossenschaften konkrete Finanzierungswege aufzeigen.


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